Samstag, 3. Dezember 2016

Rezension zu "Das zweite Gesicht" von Kai Meyer

Zum Buch

Die schildernde Welt der Schauspielerei - und ihre dunklen Seiten...

Berlin in den 1920er Jahren: Die 24-jährige Chiara Mondschein reist zur Beerdigung ihrer Schwester Jula nach Berlin. Diese war einst eine gefeierte Schauspielern. Chiara, die viele Jahre keinen Kontakt zu Jula hatte, versucht nun, mehr über ihre ältere Schwester zu erfahren. Aufgrund der verblüffenden Ähnlichkeit wird ihr die Rolle in einem Film angeboten, für den zuvor Jula schon vor der Kamera gestanden hat. Zuerst unsicher, willigt Chiara schließlich ein. Schnell lernt sie neben der glänzenden Fassade auch die Schattenseiten der Schauspielwelt kennen. Schließlich gerät sie immer tiefer in eine gefährliche Spirale aus Drogen, Lügen und bizarren Veranstaltungen. Auch wenn sich ihr Leben immer mehr verändert, verliert sie eine Frage nicht aus den Augen: Was für ein Leben hat Jula wirklich geführt? Um dieses herauszufinden, lässt sie sich auf waghalsige Experimente ein. Plötzlich überschlagen sich die Ereignisse: Ein Mensch verschwindet und mysteriöse Ereignisse häufen sich...

"Als der Wagen sie vor der Pension absetzte, kam ihr ein schwarz gekleideter Pantomime entgegen. Auf sein weißes Gesicht war das Zifferblatt einer Uhr gezeichnet; die Zeiger standen auf kurz vor zwölf. Er tänzelte stumm um Chiara herum, betrachtete sie von allen Seiten mit ausdruckslosen Augen und lief dann auf spindeldürren Beinen weiter. Als er sich noch einmal zu ihr umschaute, war der große Zeiger auf Mitternacht vorgerückt." - Seite 53

Das zweite Gesicht ist eine fesselnde und sehr unheimliche Geschichte, in der Autor Kai Meyer den Leser in das Berlin der 20er Jahre entführt und damit einen interessanten Einblick in die damalige Zeit der Stummfilm-Ära gewährt. Im Mittelpunkt steht die junge Frau Chiara Mondschein, die immer mehr zum Schatten ihrer verstorbenen Schwester wird und so die ihr bis dahin unbekannte schillernde Welt der Schauspielerei kennenlernt - und auch deren dunklen Seiten. Vieles wird immer rätselhafter und bald muss sie sich fragen:  Was ist wahr und was nur Einbildung? Neben Chiara gibt es noch weitere besondere und auch sonderbare Charaktere, wie beispielsweise der Drehbuchautor und Filmproduzent Felix Masken, der Jula einst zum Star machte. Immer mehr wird klar, dass er das ein oder andere dunkle Geheimnis zu haben scheint. Klasse beschrieben sind hier auch die vielen verschiedenen Schauplätze - ob es nun Julas extravagante Villa, Maskens speziell eingerichtetes Haus oder auch die Ateliers und Kulissen sind - alles wird wunderbar detailreich beschrieben. Über all dieses schwebt eine sehr düstere Atmosphäre, die die mysteriösen Geschehnisse sehr gut in Szene setzt.

Ich habe diesen besonderen Roman, der erstmals 2002 veröffentlicht wurde, nun zum zweiten Mal gelesen. Diesmal in der signierten und nummerierten Sonderausgabe, die 2013 im Blitz-Verlag erschienen ist,  limitiert auf 666 Exemplare. Diese enthält auch noch umfangreiches Bonusmaterial:  Neben einem aussagekräftigen Vorwort von Regisseur Dominik Graf gibt es im Anhang noch einen sehr interessanten und ausführlichen Bericht zu der Entstehung des Romans, verfasst von Hanka Joebke und einen kleinen Einblick in die Phantastik der 1920er Jahre.

"Jetzt aber, für einen Moment, wurde das ganze Gebäude aus Schein und falschen Träumen transparent, und was sie sah, flößte ihr solche Furcht ein, dass sie beinahe in die Knie ging." - Seite 125

Mein Fazit: Ein ganz besonderer und außergewöhnlicher Roman, der eine gute Mischung aus Mystery-Thriller, etwas Horror und Phantastik ist. Sehr gelungen ist hier die unheimliche Atmosphäre, die sich schon von Beginn an durch den ganzen Roman zieht. Genau wie Asche und Phönix und Phantasmen gehört dieses Buch eher zu Kai Meyers düsteren Romanen. Das zweite Gesicht ist bisher das außergewöhnlichste Buch, was ich von dem Autor gelesen habe, eben weil es sich so von seinen anderen Romanen unterscheidet. Auch wenn manche Abschnitte nicht ohne sind, ist ihm hier ein sehr gutes Werk gelungen. Sehr packend und leseswert!

Meine Bewertung: 



Titel: Das zweite Gesicht

Autor: Kai Meyer
Genre: Mystery-Thriller / Horror / Phantastik
Seitenanzahl: 576
Verlag: BLITZ (limitierte Sonderausgabe)
             MiMe Books (eBook)

Die limitierte Sonderausgabe ist inzwischen so gut wie ausverkauft. Erhältlich ist der Roman aber weiterhin als eBook. Das findet ihr bespielsweise hier.

Kommentare:

  1. Mit deiner Rezension hast du mich nun wirklich sehr neugierig gemacht!! Das lesen scheint sich mehr als zu lohnen ~ WuLi!

    Liebe Grüße,
    Janna

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    1. Hi Janna, :)

      ja, ich fand es sehr gut, vor allem die Mischung aus Mystery-Krimi, Horror, Phantastik und Unheimlichem. :)

      Liebe Grüße
      Nicole

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  2. Hallo Nicole, :)
    eine tolle Rezi. :) Ich mag Kai Meyers Bücher sehr, kenne seine älteren Werke aber kaum, was ich aber unbedingt ändern möchte. Dieses Buch klingt auf jeden Fall auch sehr spannend. :)

    Liebe Grüße
    Marina

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    1. Hallo Marina, :)
      danke! Ja, es ist unheimlich interessant, auch mal seine älteren Werke zu lesen. Da wartet auch noch einiges auf mich. ;)
      Es lohnt sich auf jeden Fall.

      Liebe Grüße
      Nicole

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  3. Nicole, dieses Buch muss ich haben!!! Die Thriller-Elemente sind exakt meins....und das erste Zitat ist klasse!!

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    1. Liebe Heike,

      das freut mich! Kann mir auch gut vorstellen, dass dir das Buch gefällt. :)
      Bin gespannt, wann du es lesen wirst!

      Liebe Grüße
      Nicole

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