Sonntag, 28. Mai 2017

Rezension zu "Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge" von Ruth Hogan

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Verlorene Dinge und zweite Chancen

Vor vierzig Jahren änderte sich innerhalb eines Tages für Anthony Peardew alles: Er verlor das wertvolle Medaillon, dass ihm seine große Liebe Therese einst schenkte. Am selben Tag starb sie unter tragischen Umständen. Anthony hat bis heute den Tod seiner Liebsten nicht verkraftet und sammelt seit vielen Jahren Gegenstände, die Menschen verloren haben: Ob ein einzelner Handschuh, ein Knopf, oder ein Teegeschirr - alles beschriftet er sorgfältig und bewahrt es in seinem Arbeitszimmer auf - in der Hoffnung, es seinen ehemaligen Besitzern einmal zurückzugeben. Zugleich erhofft er sich dasselbe von dem Medaillon, das ihm so viel bedeutet.
Als seine Zeit schließlich zu Ende geht, übergibt er sein Erbe an Laura, die jahrelang seine Assistentin und gute Freundin war. Zuerst weiß Laura nicht wie sie mit diesem Erbe umgeben soll, doch nach und nach taucht sie in die Welt ein und erkennt die Geschichten hinter den verlorenen Gegenständen...


"Vielleicht dachte ich, wenn ich jeden verlorenen Gegenstand rettete, den ich fand, würde jemand das Einzige auf der ganzen Welt retten, an dem mir wirklich etwas lag, und ich würde es eines Tages zurückbekommen, um mein gebrochenes Versprechen doch noch einzulösen."  (Anthony Peardew)  -Seite 93, eBook


Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge ist ein wundervoller Roman, der mit einer sehr schönen Schreibweise überzeugt. Zuerst ist dort die viktorianische Villa mit dem schönen Rosengarten, in dem Anthony Peardews lebt. Die Umgebung wird unheimlich toll beschrieben, alles wirkt etwas verwunschen und passt perfekt zu der ganzen Geschichte. Neben Mr. Peardews ist Laura eine der weiteren Hauptcharaktere, die schließlich das Erbe von ihrem Arbeitgeber und liebgewonnenen Freund antritt: Der Versuch, zu den sorgfältig gesammelten Gegenstände die ehemaligen Besitzer zu finden. Dieses ist natürlich nicht so einfach...
 Die Geschichte entwickelt sich langsam und ist aufgeteilt in zwei Handlungsstränge:  Im Jahre 1974, (vierzig Jahre vor den aktuellen Geschehnissen) lernen wir die junge Frau Eunice kennen, die später noch eine ganz bestimmte Rolle spielt und natürlich Laura, die sich viele Jahre um Mr. Peardews und sein Haus gekümmert hat.
Was mir neben der Handlung noch besonders gut gefallen hat: Die kleinen Geschichten zu einzelnen Gegenständen, die zwischendurch immer wieder  auftauchen und sehr schön zu lesen sind. Wirklich gelungen ist auch, wie sich letztlich alles zusammenfügt. Lasst euch überraschen!
Was mir natürlich als erstes aufgefallen ist: Das wunderschön gestaltete Cover. Die Farbwahl ist gut gewählt und zusammen mit dem tollen Titel sehr gut gelungen.

Mein Fazit: Ein wundervoller Roman - sehr schön und warmherzig geschrieben. Die Geschichte handelt von verlorenen Dingen, einer verlorenen Liebe und neuen Chancen - eine sehr schöne Mischung, die zudem noch mit besonderen Charakteren überzeugt. Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen und kann es jedem ans Herz legen, der besondere Bücher mag. Sehr lesenswert!


Meine Bewertung: 




Titel: Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge
Autorin: Ruth Hogan
Genre: Roman / Gegenwartsliteratur
Seitenanzahl: 320
Verlag: Ullstein Buchverlage - List



Vielen Dank an die Ullstein Buchverlage und Netgalley für das Rezensionsexemplar! :)

Donnerstag, 25. Mai 2017

Rezension zu "Tote Mädchen lügen nicht" von Jay Asher

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Die Geschichte von Hannah Baker - und ihre Abrechnung

Als Clay Jensen von der Schule nach Hause kommt, liegt vor seiner Tür ein Paket, das an ihn adressiert ist - ohne Absender.  Der Karton enthält sieben Kassetten, alle Seiten nummeriert. Als Clay die erste Kassette in den Recorder legt und schließlich die Stimme von Hannah Baker hört, läuft es ihm kalt den Rücken runter - denn Hannah hat sich vor zwei Wochen das Leben genommen. Ihr Tod kam für alle in der Schule überraschend und war ein Schock.
Clay setzt sich Kopfhörer auf und wandert ziellos durch die nächtlichen Straßen. Schnell wird ihm klar: Auf diesen Kassetten rechnet Hannah mit ihren Mitschülern ab - es gibt dreizehn Gründe, die zu ihrem Selbstmord geführt haben und dreizehn Menschen, die daran ihren Anteil hatten. Clay ist einer davon...


"Ich wünschte, ich hätte diese Schachtel und die sieben Kassetten darin nie zu Gesicht bekommen. Das erste Mal auf PLAY zu drücken war einfach gewesen. Ein Kinderspiel. Ich hatte nicht geahnt, was ich hören würde. Doch jetzt ist es eines der beängstigendsten Dinge, die ich je getan habe." - Seite 11, eBook


Auf diesen Roman, der in Deutschland erstmals im Jahr 2009 veröffentlicht wurde, bin ich durch die die gleichnamige Netflix-Serie aufmerksam geworden, die ich beim stöbern entdeckt habe. Doch bevor ich diese zum Vergleich schauen werde, war ich neugierig auf die Romanvorlage, wo schon der Klappentext zeigt, dass das Thema keine leichte Kost ist: Ein junges Mädchen begeht Selbstmord und bringt danach sieben Kassetten in Umlauf, auf der sie ausführlich erzählt, welche Gründe sie zu diesem dramatischen Schritt bewegt haben und wer alles seinen Anteil daran hatte...
Das Buch hat einen speziellen und besonderen Schreibstil. Die Kapitel sind in Kassettenseiten aufgeteilt und begleitet Hauptfigur Clay Jensen, während er sich diese anhört. Der Schriftart wechselt regelmäßig zwischen kursiv (Hannahs Erzählung) und  normal (Clays Perspektive und Gedanken). Auch wenn man sich erst an diesen Schreibstil gewöhnen muss, ist er doch sehr gut gewählt, denn die einzelnen Unterbrechungen die durch die beiden Erzählperspektiven entstehen, erhöhen die Spannung.
Die Atmosphäre des Romans ist beklemmend und unheimlich. Einmal angefangen, man kann das Buch nur noch schlecht aus der Hand legen, weil man unbedingt wissen muss, was Hannah durchlebt hat und was sie zu diesem unglaublichen Schritt bewogen hat. Es ist alles sehr realistisch erzählt - auch, wie sich durch kleine Ereignisse schließlich etwas so Schreckliches entwickeln kann  - der kleine Schneeball, der plötzlich zur gefährlichen Lawine wird.


"Ich schließe die Augen und versuche, die Ruhe zu bewahren. Doch in Wahrheit habe ich sie schon seit Stunden verloren." - Seite 106


Mein Fazit: Ein Buch, das man nicht so schnell vergisst. Eine erschreckende und beklemmende Geschichte, die eigentlich tieftraurig ist. Durch den besonderen Schreibstil bleibt das Buch die ganze Zeit über packend und überrascht durch einige Wendungen und unvorhersehbare Geschehnisse in Hannahs Erzählung. Puzzleteile fügen sich schließlich zusammen. Es ist eine sehr emotionale und ernste Geschichte, die erschreckend vor Augen führt, wie schnell etwas zum Selbstmord führen kann. Kein leichtes Buch - aber dennoch ein sehr wichtiges Thema. Von mir gibt es hierfür 4,5 Sterne.

Meine Bewertung:





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Titel: Tote Mädchen lügen nicht
Autor: Jay Asher
Genre: Drama / Jugendbuch / All Age
Seitenanzahl: 288
Verlag: cbt

Das Cover oben zeigt die Filmausgabe zur gleichnamigen Netflix-Serie, rechts findet ihr ihr den Link zur normalen Ausgabe.

Mittwoch, 24. Mai 2017

Rezension zu "Ich, Eleanor Oliphant" von Gail Honeyman

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Wie Eleanor Oliphant sich selbst fand

Eleanor Oliphant steht kurz vor ihrem 30. Geburtstag, arbeitet in der Buchhaltung und ist ein wenig anders als andere Menschen. Die Wochen sind genau durchgeplant und daher für sie völlig unvorstellbar, einfach mal so in den Pub oder auf eine Shoppingtour zu gehen. Doch Eleanor ist einsam, auch wenn sie es sich selbst nicht eingestehen möchte.
Doch dann wird ihr Leben auf den Kopf gestellt, denn sie verliebt sich. Um sich mit der ihr völlig unbekannten Welt draußen vertraut zu machen, verlässt sie schließlich ihr Schneckenhaus und entdeckt viel Neues - auch lernt sie sich selbst nochmal von einer anderen Seite kennen.
Schließlich läuft vieles ganz anders, als Eleanor geplant hatte...


" Ich bin eine Einzelkämpferin, die letzte Überlebende. Ich bin Eleanor Oliphant. Ich brauche niemanden sonst. Es gibt keine große Leere in meinem Leben, kein fehlendes Puzzleteil, das mich vervollständigen würde. Ich bin mir selbst genug, ein kleines Elementarteilchen. Das habe ich mir zumindest immer eingeredet. Bis gestern Abend, als ich der Liebe meines Lebens begegnet bin." - Seite 16, eBook


Ich, Eleanor Oliphant ist der Debütroman von Gail Honeyman und mir auf den ersten Blick durch das schöne, farbig gestaltete Cover aufgefallen. Nachdem mich auch der Klappentext sehr neugierig gemacht hat, war ich gespannt, was mich in diesem Buch erwartet. Und ich muss sagen, dass es mich sehr positiv überrascht hat! Der Schreibstil ist wirklich angenehm und die Ich- Perspektive sehr gut gewählt. So lernt man die junge Frau Eleanor sehr gut kennen - ihr durchgeplantes Leben, ihren Alltag und ihre Ansichten. Schnell merkt man aber, dass hinter der starken Fassade ein trauriges Geheimnis steckt.
Als Eleanor sich schließlich verliebt, der Glückliche aber noch nichts davon weiß, will sie sich akribisch auf das erste Treffe vorbereiten. Dafür wagt sie sich schließlich aus ihrem gewohnten Umfeld heraus. Es gibt einige Abschnitte, die zum wirklich Schmunzeln sind, weil Eleanors Kommentare einfach schräg sind. Doch es gibt auch eine andere Seite - man erfährt nach und nach die traurige Geschichte aus ihrer Vergangenheit und die Wahrheit, warum sie so ist wie sie ist. Zudem gibt es im Laufe der Handlung eine Situation, die man so nicht erwartet hätte...
Was mir außerdem noch sehr gut gefallen hat: Diese Geschichte ist überhaupt nicht kitschig, sondern interessant, einfühlsam und gleichzeitig  sehr erfrischend geschrieben.


"Ich spürte ein jähes Glücksgefühl in mir aufflammen, als hätte jemand ein Streichholz angerissen. Ganz hell war es, licht und warm. Ich konnte mich nicht erinnern, dass ich jemals zu etwas beglückwünscht worden war, aber es fühlte sich gut an. Wirklich. Sehr angenehm, in der Tat." - Seite 218, eBook


Mein Fazit: Ein großartiges Debüt! Dieses Buch gehört zu denen, wo man beim Lesen die Zeit vergisst. Eine wunderbare Geschichte mit einer besonderen Hauptfigur, die einem während des Lesens ans Herz wächst. Mal humorvoll, mal anrührend und auch mal traurig - ein Buch mit vielen Facetten. Der lockere Schreibstil ist angenehm zu lesen und durch den  interessanten Verlauf wird es an keiner Stelle langweilig. Sehr berührend und lesenswert!

Meine Bewertung: 




Titel: Ich, Eleanor Oliphant
Autorin: Gail Honeyman
Genre: Roman / Gegenwartsliteratur
Seitenanzahl: 528
Verlag: Bastei Lübbe


Vielen Dank an Bastei Lübbe und Netgalley für das Rezensionsexemplar! :)