Dienstag, 28. Februar 2017

Rezension zu "4 3 2 1" von Paul Auster

Zum Buch


Was wäre wenn?

Der Junge Archibald "Archie" Ferguson wächst in den 1950er Jahren in Newark auf. Er ist ein aufmerksamer Junge und hinterfragt schon früh bestimmte Begebenheiten. Und so kommt ihm eines Tages auch dieser Gedanke: Was wäre, wenn etwas auf ganz andere Weise geschehen würde als gedacht? Wenn durch ein zufälliges Ereignis sein Leben dadurch einen völlig anderen Verlauf nehmen würde? So entstehen schließlich vier Versionen seines Lebens, wo manchmal nur eine kleine Entscheidung zu einem ganz anderem Leben führt...


"Ja, alles war möglich, und nur weil etwas auf eine bestimmte Weise geschah, hieß das noch lange nicht, dass es nicht auch auf eine andere Weise geschehen könnte. Alles könnte anders sein. Die Welt könnte dieselbe Welt sein, und doch wäre sie, wenn er nicht vom Baum gefallen wäre, eine andere Welt für ihn." - Seite 86


Paul Austers neues Werk ist schon auf den ersten Blick eine beeindruckende Erscheinung: 1.264 Seiten lang und knapp 1,3 kg schwer - doch auch inhaltlich hat es einiges zu bieten:  Mit einem sehr lockeren Erzählstil, bei dem einzelne Sätze auch schon mal eine halbe Seite lang sein können, erzählt der Autor die Geschichte von Archibald Ferguson. Der Roman beginnt mit der Einreise von Archibalds Großvater in Amerika und welchem Umstand er es zu verdanken hatte, dass er plötzlich "Ferguson" hieß. Nachdem man auch einen sehr guten Einblick in Archibalds Verwandtschaft bekommen hat, rückt schließlich nach gut fünfzig Seiten die Hauptfigur in den Vordergrund. Archibald, der im ganzen Roman überwiegend bei seinem Nachnamen Ferguson genannt wird, stellt sich als Kind die Frage: Welchen Weg hätte sein Leben genommen, wenn er in bestimmten Situationen andere Entscheidungen getroffen hätte?
So entstehen schließlich vier sehr unterschiedliche Lebensgeschichten. Das Besondere hier ist, dass diese nicht einfach nacheinander in vier langen Teilen aufgelistet sind, sondern immer abschnittsweise. Dieses ist sehr überraschend und auch erst etwas gewöhnungsbedürftig, jedoch sehr gut durchdacht und abwechslungsreich.

In einer der vier Geschichten ist mir diese tolle Aussage von Ferguson im Gedächtnis geblieben:


"Ich bin richtig froh, wenn ich an all die Bücher denke, die ich noch nicht gelesen habe. Hunderte. Tausende. So viel, worauf ich mich freuen kann!" -Seite 269


Das genau diese Geschichte einen Verlauf nimmt, mit der man so gar nicht rechnet, ist sehr überraschend...

Natürlich bleiben einzelne Längen bei diesem Seitenumfang nicht aus. Manchmal schweift Auster etwas zu sehr ab. Manches wird zu oft wiederholt oder einfach viel zu detailreich dargestellt. Obwohl ich umfassende Geschichten mag, wäre hier weniger an manchen Stellen mehr gewesen.  Man benötigt schon etwas Durchhaltevermögen. Im Gesamten betrachtet, hält sich dieses jedoch in noch einigermaßen in Grenzen, vielleicht auch deshalb, weil der Schreibstil locker bleibt und sich das gesamte Buch flüssig lesen lässt.


"Du scheinst dort drüben die Zeit deines Lebens zu haben, schrieb er in einem der zweiundvierzig Briefe, die er ihr im Sommer schickte. Während ich hier in New York das Leben meiner Zeit führe." - Seite 904


Genau wie bei der englischsprachigen Originalausgabe ist das Cover der deutschen Ausgabe eher schlicht gehalten - gerade dieses und der spezielle Titel  4 3 2 1 fallen sofort ins Auge.

Mein Fazit: Ein großes Werk mit Stärken und Schwächen. Meine Meinung hier ist zweigeteilt:
Zum Einen ist es ein wirklich interessanter und sehr gut aufgebauter Roman. Mit seinen 1.264 Seiten ein sehr umfangreiches Buch, dass sich aber durch den lockeren Erzählstil überraschend flüssig lesen lässt. Der Roman ist atmosphärisch sehr dicht, neben der Hauptfigur werden auch die Nebencharaktere ausführlich dargestellt.
Jetzt kommt das "Aber": Sosehr ich umfangreiche Bücher auch mag und diese mit Begeisterung lese - diese Geschichte ist einfach zu lang. Nicht alle der vier Geschichten haben mir gefallen, manches war etwas ermüdend und zu sehr in die Länge gezogen. Vielleicht 300 Seiten weniger wäre perfekt gewesen.
Es ist kein schlechtes Buch! Diese Story hat durchaus packende Momente und hält Überraschungen bereit. Der Schreibstil hat hier einiges ausgemacht und mir sehr gut gefallen. Ich vergebe für dieses außergewöhnliche Werk 3,5 Sterne.

Kurz gesagt: Wer ausführliche Romane mit einem interessanten Schreibstil mag und etwas Durchhaltevermögen mitbringt, dem kann ich dieses Werk nur empfehlen. Und auch wenn nicht alles perfekt war, möchte ich dieses Leseerlebnis nicht missen.

Meine Bewertung: 




Titel: 4 3 2 1
Autor: Paul Auster
Genre: Romane
Seitenanzahl: 1.264
Erscheinungsdatum: 31.01.2017
Verlag: Rowohlt



Vielen Dank an den Rowohlt-Verlag für das Rezensionsexemplar! :)

Gemeinsam Lesen #95

Die Aktion findet ihr jeden Dienstag bei Schlunzen-Bücher.


1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

- Ich lese gerade "4 3 2 1" von Paul Auster und bin auf Seite 988 von 1.264.


2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?
Zum Buch


"Ich kann dir nicht folgen."


3. Was willst du unbedingt zu deinem Buch loswerden?

- Dieses Buch ist -im wahrsten Sinne des Wortes- sehr vielseitig. Neben der beeindruckenden Seitenanzahl enthält sie vier verschiedene Lebensgeschichten - und in allen spielt der junge Archibald Ferguson die Hauptrolle. Dieser hat sich als Kind eine Frage gesellt: Was wäre wenn sein Leben anders verläuft, als gedacht? Manchmal entscheidet das schon eine zufällig getroffene Entscheidung...

Langsam steuere ich auf das Ende zu und bin trotz einiger Längen von dem Erzählstil begeistert. Dennoch erfordert es einiges an Durchhaltevermögen. Meine endgültige Meinung gibt es dann in einer Rezension. :)


4. Welches Buch eines eher unbekannten Autors/ Autorin hat dich zuletzt begeistert?

Da gibt es zwei Bücher:

Der Schnee, die Schuld, das Feuer und der Tod von Gerhard Jäger und

Die Federn des Windes von Manuel Timm

Beides inhaltlich zwar völlig unterschiedlich, aber beide Bücher haben mich sehr begeistert.




Montag, 27. Februar 2017

Montagsfrage #89

Die Montagsfrage gibt es jede Woche bei Buchfresserchen.
Die Frage in dieser Woche:

Gibt es ein Buch, das dich positiv überrascht hat, von dem du es nie erwartet hättest?


Ja, es gab ein Buch, bei dem ich im Vorfeld lange überlegt habe, ob ich es lesen soll. Eben weil ich unsicher war, ob es mir gefallen wird. Das war Vom Ende der Einsamkeit von Benedict Wells.

Schließlich war ich so neugierig, was hinter all den positiven Reaktionen steckt und habe es gelesen - es hat mir sehr gut gefallen! Ich finde hier besonders den Schreibstil und die Erzählweise gelungen, eine sehr berührende Geschichte.

Eine Rezension gibt es natürlich auch, die findet ihr hier.


 

Freitag, 24. Februar 2017

Top Ten Thursday #73

Bei dem Top Ten Thursday geht es um Bücherlisten, die jeden Donnerstag zu einem vorgegebenen Thema erstellt werden können. Eine Aktion von Steffis Bücher-Bloggeria.

Das Thema in dieser Woche:

10 TV-Serien aus deiner Kindheit/Jugend

Aus meiner Kindheit sind mir folgende Serien in Erinnerung geblieben:
(Mit Klick auf den Titel kommt ihr zu den Serieninfos)








In meiner Jugend habe ich diese Serien geschaut:







Wie lange das schon wieder her ist! :D Welche Serien sind euch in Erinnerung geblieben?


Mittwoch, 22. Februar 2017

Rezension zu "Die Terranauten" von T.C. Boyle

Zum Buch


Zwei Jahre in einer anderen Welt...

Auf die junge Frau Dawn Chapman und sieben weitere Personen wartet ein besonderes Experiment mit einem ganz bestimmten Ziel: Ein Leben in einem komplett geschlossenen Ökosystem - einer ganz eigenen Welt. Um dieses zu simulieren, werden vier Frauen und vier Männer für zwei Jahre in ein riesiges Terrarium eingeschlossen - eine riesige Ökosphärenkuppel, die mitten in der Wüste von Arizona errichtet wurde. Niemand darf während dieser Zeit "Ecosphere 2" verlassen. Wissenschaftler beobachten jede noch so kleine Veränderung. Die Glaskuppel mit ihren acht Terranauten ist natürlich auch ein großes Medienereignis: Viele Touristen reisen an, Fernsehteams und Zeitungen berichten über das Geschehen - Wie verändert sich der Mensch in zwei Jahren Abgeschiedenheit? Missgunst und Rivalität, aber auch Liebe entsteht. Und so passiert etwas, womit niemand gerechnet hat: Dawn wird schwanger. Nun stellt sich die Frage: Ist das Experiment nun zum Scheitern verurteilt oder kann die ihr Kind in der geschlossenen Ökosphere zur Welt bringen?


"...und doch war es eher das Dröhnen der Stahltür, das metallische Einschnappen des Schlosses, das mich so aufwühlte, dass mir die Tränen kamen - Tränen der Freude und Erleichterung. Aber da war noch etwas anderes. Eine Beklommenheit, würde ich sagen.  Oder eine Ungewissheit, das trifft es vielleicht besser. Dies war wirklich eine neue Welt. Und jetzt war ich drinnen, und es gab keinen Weg zurück." (Dawn Chapman) - Seite 103


Auf dieses besondere Buch bin ich aufgrund des sehr interessanten Covers aufmerksam geworden. Der Astronaut mitten in einem Garten ist wirklich ein Hingucker. Nachdem ich dann den Klappentext gelesen habe, war meine Neugier schließlich geweckt. Die Story ist schnell erzählt: Acht Menschen (vier Frauen und vier Männer) lassen sich für zwei Jahre in eine riesige Glaskuppel einschließen und leben in ihrer eigenen Welt - nichts kommt rein, nichts geht raus - der Grundsatz. Natürlich läuft nicht alles nach Plan - weder drinnen noch draußen.
Was sofort auffällt, ist der besondere Schreibstil: Die Geschichte wird aus drei bestimmten Blickwinkeln erzählt. Im ersten Augenblick etwas gewöhnungsbedürftig, doch es passt sehr gut. Man erfährt nach und nach einige naturwissenschaftliche und technische Fakten; wie das Leben in der Kuppel funktioniert, wie alles aufgebaut ist und welche Aufgaben zu erfüllen sind. Dieses ist in einem guten Maß gehalten - es ist zwar alles ausführlich geschildert, aber nie zu ausufernd oder "technisch". Im Mittelpunkt stehen natürlich die Menschen - die acht Teilnehmer sind alle völlig unterschiedliche Charaktere. Man lernt sie nach und nach besser kennen - ihre positiven und negativen Eigenschaften, ihr Denken und Handeln, auch ihre psychischen oder physischen Veränderungen werden detailreich geschildert. Doch auch über die Menschen draußen erfährt man einiges. Denn nicht für alle hat sich der Wunsch des Terranauten erfüllt. Überraschend und manchmal auch etwas erschreckend war der Neid und die Missgunst, die des Öfteren eine Rolle spielen. Daher waren mir persönlich die Charaktere nicht immer sympathisch.

Sehr interessant ist auch, dass der Roman auf wahren Begebenheiten basiert, In den 1990er Jahren  hat es so ein Experiment tatsächlich in Arizona gegeben.


"An diesem Tag lernte ich etwas. Ich lernte zu unterscheiden. Und von da an wusste ich,  wer es ernst, wirklich ernst meinte, in guten wie in schlechten Zeiten, und wer bloß Trittbrettfahrer war." (Ramsay Roothoorp) -Seite 234


Mein Fazit:  Ein gelungener Roman mit einer sehr interessanten Handlung!  Es ist unheimlich spannend zu verfolgen, wie es den acht Teilnehmern in dem Terrarium ergeht - man erfährt alles: Ihre Gefühlszustände, ihr Handeln und Denken. Die Geschichte ist eher ruhig, aber auf eine bestimmte Art sehr packend. Es gibt einige interessante Entwicklungen, sowohl drinnen als auch draußen. Der Schreibstil ist speziell, aber sehr gut gewählt.
Was ich jedoch immer wieder etwas verwirrend fand, waren die Namen. Es gibt einen ständigen Wechsel zwischen den richtigen Vornamen, Spitznamen und Abkürzungen der Spitznamen. Hier wäre weniger mehr gewesen. Die Charaktere hätten vielleicht noch etwas sympathischer gestaltet werden können.
Doch diese kleinen Kritikpunkte sollte einem nicht vom Lesen abhalten. Es ist ein wirklich lesenswertes Buch, dass ich gern weiterempfehle.

Meine Bewertung: 





Titel: Die Terranauten
Autor: T.C. Boyle
Genre: Roman
Seitenanzahl: 608
Verlag: Hanser

Vielen Dank an die Hanser Literaturverlage für das Rezensionsexemplar! :)

Dienstag, 21. Februar 2017

Gemeinsam Lesen #94


Die Aktion findet ihr jeden Dienstag bei Schlunzen-Bücher.


1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

- Ich lese gerade "Die Terranauten" von T.C. Boyle und bin auf Seite 330 von 608.


2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?
Zum Buch

"Das ärgerte mich. Eine geschlossene Tür bedeutete 'Bitte nicht stören', das wussten und respektierten wir alle."


3. Was willst du unbedingt zu deinem Buch loswerden?

- Auf dieses besondere Buch bin ich durch das sehr interessante Cover aufmerksam geworden. Nachdem ich dann den Klappentext gelesen habe, war meine Neugier geweckt. Es geht um acht Menschen (vier Frauen und vier Männer), die sich für zwei Jahre in ein riesiges Terrarium bzw. eine Ökosphärenkuppel eschließen lassen. Dort versuchen sie, ihre eigene, neue Welt aufzubauen. Nichts kommt rein, nicht geht raus - der Grundsatz. Doch dann passiert etwas, was das Projekt ins Wanken bringen könnte...

Es ist mein erstes Buch von T.C. Boyle und bisher gefällt mir der Schreibstil, und wie das Buch aufgebaut ist, ganz gut. Es ist sehr interessant, die Geschehnisse zu verfolgen, alles ist sehr gut beschrieben, ich bin sehr gespannt wie es weiter- und natürlich, wie es ausgeht. :)


4. Karneval steht vor der Tür - yay oder nay? Feiern oder lesen? :)

- Ganz klar: Lesen!! Ich bin nicht so der Karneval-Fan, von daher fällt die Entscheidung leicht. Außerdem warten noch viele tolle Bücher auf mich. Nach den Terranauten wartet 4 3 2 1  auf mich - das neuen Werk von Paul Auster. :)

Montag, 20. Februar 2017

Montagsfrage #88

Die Montagsfrage gibt es jede Woche bei Buchfresserchen.
Die Frage in dieser Woche:

Gibt es ein Zitat aus einem Buch, das dir in letzter Zeit (oder überhaupt) im Gedächtnis geblieben ist?


Ich bin ja ein großer Zitate-Fan und baue sie inzwischen auch regelmäßig in meine Rezensionen ein. Da gab es viele Sätze in den letzten Monaten, die mir sehr gut gefallen haben. Ich werde hier mal zwei Zitate auflisten, die mir im Gedächtnis geblieben sind. Erst eines, dass ich erst letzte Woche entdeckt habe, und ein älteres.

Das erste Zitat stammt aus Das Mädchen von Stephen King, das ich letzte Woche gelesen habe und mir sofort ins Auge gesprungen ist:

"Die Welt hatte Zähne, und sie konnte damit zubeißen, wann immer sie wollte." - Seite 11

Dann gibt es noch eines (von vielen) Zitaten, die mir aus meine Lieblingstrilogie Die Seiten der Welt von Kai Meyer sehr gefallen haben. Dieses stammt aus dem finalen Band Blutbuch:

"Die Geister der Bücher bevölkerten den leeren Saal. Ihr Duft war längst verflogen, doch selbst nach Jahren hallten die Echos ihrer Geschichten flüsternd zwischen den kahlen Wänden wieder." - Seite 7


Habt ihr auch Lieblingszitate?