Montag, 31. Juli 2017

Montagsfrage #100

Die Montagsfrage gibt es jede Woche bei Buchfresserchen.
Die Frage in dieser Woche:

Welches Buch ist den letzter Neuzugang und was hat dich zum Kauf bewogen?


Ich nenne hier mal zwei Bücher: Ein Rezensionsexemplar, das vor ein paar Tagen eingezogen ist und meinen letzten Buchkauf.

 
Letzter Neuzugang
Zuletzt bei mir eingezogen ist das Buch Die goldene Stadt von Sabrina Janesch. Der Roman erscheint am 18. August 2017, mein Leseexemplar ist aber bereits eingetroffen. An dieser Stelle nochmal ein Dankeschön an den Rowohlt-Verlag!
Der Klappentext hat mich sehr angesprochen und ich bin sehr gespannt auf das Buch!
Mehr Infos zum Buch findet ihr auf der Verlagsseite: 

Letzter Buchkauf
Mein letzter Buchkauf war Ein angesehener Mann von Abir Mukherjee. Dieses Buch hat mich durch seinen interessanten Klappentext sofort angesprochen und werde es demnächst lesen.

Mein Infos zum Buch findet ihr auf der Verlagsseite: 

Sonntag, 30. Juli 2017

Rezension zu "Eine allgemeine Theorie des Vergessens" von José Eduardo Agualusa

Zum Buch


Außergewöhnliche Verwicklungen und ein Leben in Abgeschiedenheit...

Die junge Frau Ludovica lebt seit jeher zurückgezogen bei ihrer Schwester Odete und dessen Mann Orlando, als sich am Abend vor der angolanischen Revolution die Ereignisse überschlagen: Sie erfährt, dass ihre Schwester und ihr Schwager  anscheinend spurlos verschwunden sind und erschießt aus Notwehr einen Mann vor ihrer Wohnungstür. Diesen begräbt sie auf der Dachterrasse. Aus Angst vor den Konsequenzen und den Unruhen in Angola mauert sie sich in ihrer Wohnung ein und schottet somit komplett von der Außenwelt ab - dreißig Jahre lang.
Draußen vergehen die Jahre, vieles ändert sich. Opfer und Täter begegnen sich und verstricken sich in außergewöhnliche und sonderbare Verwicklungen. Doch auch Ludovicas Leben und Überleben geht weiter,  alles hält sie in ihrem Tagebuch fest. Nachdem ihr das Papier ausgeht, beschreibt sie die Wände ihrer Wohnung. Eines Tages schließlich, findet auch für sie eine Veränderung statt...


"Wenn wir im Schlaf davon träumen, zu schlafen, können wir dann, wenn wir wach sind, aufwachen in einer helleren Wirklichkeit?" - Seite 33


Mir ist dieses Buch gleich aus mehreren Gründen ins Auge gefallen: Der außergewöhnliche Titel zusammen mit dem auffallenden rot-orangen Cover in Kombination mit dem Nilpferd war ein Grund. Der andere war der Klappentext, der eine wirklich besondere Geschichte verspricht: Eine Frau mauert sich für dreißig Jahre in ihrer Wohnung ein, nachdem sie einen Mann aus Notwehr erschossen hat. Während draußen die angolanische Revolution ausbricht und sich verschiedene Figuren auf schicksalhaften Wegen begegnen, kämpft Ludovica drinnen ums überleben. Nach und nach erfährt man schließlich den traurigen Grund, warum sie schon ihr ganzes Leben die Öffentlichkeit meidet.
Der Schreibstil ist klar, erzählerisch beschreibt der Autor nicht nur Ludovicas Situation, sondern widmet sich auch den interessanten Nebenfiguren, deren anfangs lose erscheinenden Fäden geschickt miteinander verwoben werden. Vor allem das Finale ist gut gelungen und mehr als überraschend. Besonders berührend sind auch die Tagebucheinträge Ludovicas, die in den Abschnitten immer mal wieder auftauchen. Leicht poetisch, melancholisch und berührend:


"Es regnet, es läuft alles über. Nachts ist es, als sänge die Dunkelheit. Die Nacht steigt und wirft Wellen, verschlingt die Gebäude." - Seite 93


Völlig überraschend und absolut unvorhersehbar ist der ganze Verlauf des Romans, in dem alles zu finden ist: Traurige Schicksale, interessante Verwicklungen und rührende Momente , vermischt mit manchmal skurrilen Augenblicken, die mal zum Schmunzeln sind und mal zum Nachdenken anregen.


"Es gibt Vergangenheiten, die Jahrhunderte überdauern, ohne dass ihnen die Zeit etwas anhaben kann." - Seite 145


Mein Fazit: Ein ganz außergewöhnlicher Roman, der mit seiner Erzählweise und seiner überraschenden Entwicklung überzeugt. Atmosphärisch sehr dicht und eng verwoben, muss man manchmal aufpassen, dass man nichts "überliest". Auch wenn es ein sehr gutes Buch ist, hätte ich mir an manchen Stellen einfach noch mehr Ausführungen gewünscht - manches kommt auf den insgesamt nur 197 Seiten einfach etwas zu kurz. Auch Ludovica hätte ich gern noch etwas genauer kennen gelernt. Daher ziehe ich einen Stern ab. Ansonsten hat mir dieses Buch sehr gut gefallen und kann es nur weiterempfehlen! 

Meine Bewertung: 




Titel: Eine allgemeine Theorie des Vergessens
Autor: José Eduardo Agualusa
Genre: Roman
Seitenanzahl: 197
Verlag: C.H. Beck


Vielen Dank an Lovelybooks für die tolle Leserunde und an den C.H. Beck-Verlag für das Rezensionsexemplar! :)

Freitag, 28. Juli 2017

Rezension zu "Die Tiefe" von Anthony Doerr

Zum Buch

Eine Welt voller Erinnerungen

Das Buch Die Tiefe enthält sechs Stories, die sich alle einem besonderen Thema widmen: Unsere  Erinnerungen. Die einzelnen Geschichten sind auf drei verschiedenen Kontinenten angesiedelt und erzählen von Vergangenem, Liebe, Schicksal und dem Zauber der Natur. Inhaltlich zwar völlig unterschiedlich, jedoch haben sie alle die schon bekannte und  beindruckende Erzählkraft Doerrs gemeinsam.

Der Band enthält folgende Geschichten:

Die Tiefe
Wachset und mehret euch
Die entmilitarisierte Zone
Dorf 113
Die Memel
Nachwelt


"Ich dachte immer, sagt Tom, ich müsste vorsichtiger damit umgehen, wie sehr oder wie viel ich lebe. Als wäre das Leben eine Tasche voller Münzen und als hättest du nur soundso viele bekommen und wolltest sie nicht auf einmal ausgeben. Aber jetzt weiß ich, dass das Leben das Eine auf dieser Welt ist, das niemals vergeht. Meines mag vergehen, auch deines, doch die Welt wird immer weiterleben. Und wir haben alle großes Glück, ein Teil davon zu sein."  - aus "Die Tiefe", Seite 40


Da mich Anthony Doerrs  Bücher bisher immer begeistert haben, war ich sehr gespannt auf diese Story-Sammlung und wurde erneut positiv überrascht. Die Kurzgeschichten sind beeindruckend, nicht nur durch den poetischen und bildgewaltigen Erzählstil, sondern auch durch die vielfältigen Charaktere. Jede Geschichte nimmt einen von Anfang an gefangen. Meine Favoriten sind hier Die Tiefe, wo ein herzkranker Junge sind in ein Mädchen verliebt und dieses fast zur Gefahr für ihn wird und Dorf 113, wo ein Dorf einem Staudamm weichen soll und die dort lebende Samenhüterin versucht, ihre Erinnerungen einzufangen. Viel mehr möchte ich über den Inhalt der einzelnen Geschichten an dieser Stelle nicht verraten - lasst euch einfach überraschen!

Die Stories sind sehr vielfältig. Sie handeln natürlich von Erinnerungen an längst Vergangenes, von Liebe und auch traurigen Schicksalen und dem Zauber der Natur. Mal melancholisch, mal traurig und mal berührend - die verschiedenen Stimmungen werden sehr gut beschrieben. Auch wenn die Geschichten manchmal nur sehr kurz sind, die Charaktere kommen jedes Mal sehr gut zur Geltung und sind sehr ausdrucksstark. Auch das Cover passt perfekt zum Buch - schlicht gehalten und etwas geheimnisvoll.

"Jede Stunde, denkt Robert, verschwindet auf dem ganzen Erdball eine unendliche Menge Erinnerungen, ganze strahlende Atlanten verschwinden in Gräbern. Aber während ebendieser Stunde laufen auch Kinder herum und erkunden Territorien, die ihnen völlig neu erscheinen. Sie verdrängen die Dunkelheit und streuen Erinnerungen wie Brotkrumen hinter sich. Die Welt wird neu erschaffen." - aus "Nachwelt", Seite 265

Mein Fazit: Wieder ein sehr beeindruckendes Werk von Anthony Doerr. Alle sechs Kurzgeschichten sind besonders, sehr berührend und eindrucksvoll erzählt. Mir hat dieser leicht poetische Schreibstil des Autors hier wieder sehr gefallen, dieser passt perfekt in die einzelnen Erzählungen. Ein wundervolles Buch, das ich allen empfehlen möchte, die besondere Geschichten mögen. Sehr lesenswert!

Meine Bewertung: 




Titel: Die Tiefe
Autor: Anthony Doerr
Genre: Gegenwartsliteratur / Kurzgeschichten
Seitenanzahl: 267
Verlag: C.H. Beck

Weitere Meinungen zum Buch:
Irve liest


Vielen Dank an den C.H. Beck-Verlag für das Rezensionsexemplar! :)


 
Meine Rezensionen zu den Büchern von Anthony Doerr:


Donnerstag, 27. Juli 2017

Rezension zu "Der Gentleman" von Forrest Leo

Zum Buch
Der Teufel als Gentleman

London, in den 1850er Jahren: Lionel Savage ist zweiundzwanzig Jahre alt, Dichter und lebt in seinem Haus namens Pocklington Place. Aus einem Grund, der nichts mit Liebe zu tun hat, hat er vor sechs Monaten geheiratet. Unglücklicherweise kann er seitdem keine einzige Zeile mehr aufs Papier bringen. Um dieser misslichen Lage endgültig zu entfliehen plant er, sich zu erschießen. Doch nach Einwänden seines treuen Butlers Simmons verwirft er diese Idee wieder. Denn dieser müsste hinter ihm aufräumen. Während seiner Grübelei betritt plötzlich ein Gentleman sein Arbeitszimmer - und stellt sich als den Teufel persönlich vor. Savage ist sofort angetan von dem netten Mann und ehe er sich versieht, hat er seine ungeliebte Frau an den Teufel ausgeliefert - das glaubt er zumindest, denn diese ist plötzlich verschwunden. Und plötzlich steht Savages Gefühlswelt Kopf, denn er will sie unbedingt wiederfinden - doch wo genau lebt der Teufel eigentlich? Ein abenteuerliche Suche beginnt...


"Der Teufel ist in Wirklichkeit kein böser Seelendieb und Verführer von Jungfrauen - sondern ein melancholischer Mann, zwischen 1,50 und 2 Meter groß (ich habe kein gutes Auge für solche Dinge), der leicht stottert und Bücher mag und gerne mehr gemocht würde. Das hat natürlich Folgen für die Literatur der letzten zweitausend Jahre." (Lionel Savage) - Seite 87


Auf dieses Buch aufmerksam geworden bin ich durch das Cover - skurril und kunterbunt, genau wie der Roman selbst. Hauptfigur ist der zweiundzwanzigjährige Dichter Lionel Savage, der eines Abends einem Gentleman begegnet, der behauptet, der Teufel persönlich zu sein. Und plötzlich steht Lionels sonst so geordnetes Leben auf dem Kopf...
Die Geschichte besticht durch die tollen Dialoge und seine besonderen Charaktere. Die Figuren rund um Savage sind herrlich anders als der etwas eigenwillige Hausherr. Besonders interessant hier ist der Schreibstil: Aus Lionel Savages Sicht in der Ich-Perspektive geschrieben, der zudem noch sein Geschriebenes mit Hilfe seines angeheirateten Cousins Sir Hubert Lancaster veröffentlicht hat. Dieser hat den Text dann noch mit zahlreichen Fußnoten versehen, über die man das ein oder andere mal schmunzeln muss.
Die Handlung an sich ist sehr überschaubar, doch das gleichen die interessanten und oft herrlich komischen Dialoge wieder aus.  Oft zum schmunzeln, manchmal mit etwas schwarzem Humor und alles verpackt in dem nostalgischem Flair des 19. Jahrhunderts. Eine spezielle, aber richtig gute Kombination.


"Ich lüge nie. Manchmal lasse ich allerdings die Wahrheit weg." (Lionel Savage) - Seite 93


Mein Fazit: Eine herrlich verrückte Geschichte, die vor allem durch die tollen Dialoge und den besonderen Figuren überzeugt: Ob es der Dichter ist, der seine Frau nicht liebt, der Teufel in Gestalt eines Gentleman oder die lieben Verwandten - eine Story der etwas anderen Art.  Die Handlung hätte gern etwas stärker sein können, daher ziehe ich einen halben Stern ab, aber ansonsten ist der Der Gentleman ein Lesevergnügen: Humorvoll im Londoner Flair des 19. Jahrhunderts gehalten, außergewöhnlich und mit einem tollen Finale. Sehr lesenswert!

Meine Bewertung: 





Titel: Der Gentleman
Autor: Forrest Leo
Genre: Roman
Seitenanzahl: 296
Verlag: Aufbau