Samstag, 12. August 2017

Rezension zu "Ein angesehener Mann" von Abir Mukherjee

Zum Buch


Sam Wyndhams erster Fall

Kalkutta im Jahr 1919: Gerade erst aus dem Ersten Weltkrieg zurückgekehrt, reist Captain Sam Wyndham von London nach Kalkutta, um dort als Ermittler tätig zu werden. Vieles ist noch ungewohnt für ihn - die tropische Hitze, schlammige Straßen und heruntergekommene Kolonialbauten  - hinzu kommt noch die große Unruhe und die zerrissene Bevölkerung, die zwischen alten Traditionen und der neuen Ordnung der britischen Besatzung steht.
Schon bald wartet ein Mordfall auf ihn, der ihn vor einige Rätsel stellt - schnell wird klar, dass der Tote zu den höheren Kreisen der britischen Gesellschaft gehörte. Seine Ermittlungen führen Sam und seine Kollegen schließlich in die Unterwelt Kalkuttas, wo sie auf noch größere Geheimnisse stoßen...


"Immerhin war er gut angezogen. Schwarze Fliege, Smoking, das ganze Programm. Wenn man schon umgebracht wurde, konnte man sich dafür auch richtig in Schale werfen." - Seite 9


...schon der erste Satz lässt einen spannenden Fall erahnen, der sofort einige Fragen aufwirft: Ein britischer Beamter, der tot in einer düsteren Gasse in Black Town gefunden wird - jenem riesigen Viertel Kalkuttas, in dem nur die indische Bevölkerung lebt. Dieser Mordfall ist zugleich Sam Wyndhams erster Fall in Indien, der größer und verstrickter ist, als er zunächst ahnt...
"Ein angesehener Mann" ist ein Krimi der besonderen Art - er spielt Anfang der 1920er Jahre in Kalkutta, dessen unruhige Atmosphäre der Autor perfekt wiedergibt. Nicht nur die Schauplätze, die hier detailreich beschrieben werden und den Leser hier quer durch Kalkutta führen, sondern auch die Charaktere kommen sehr gut zur Geltung. Der Kriminalroman ist in der Ich-Perspektive von Sam Wyndham geschrieben, den man nach und nach besser kennen lernt und so auch erfährt, was ihn nach Indien geführt und mit welchen persönlichen Problemen er zu kämpfen hat.
Die Handlung ist atmosphärisch sehr dicht, man sollte sich etwas Zeit nehmen für dieses Buch - nicht nur der Mordfall und Sams Privatleben spielen hier eine Rolle, sondern auch die politischen Unruhen im Land. Der Autor schildert hier verständlich die historischen Hintergründe vom damaligen British-Indien. Eine gute Hilfestellung ist auch die Karte vorn im Buch, die alle wichtigen Handlungsorte in Kalkutta markiert. Auch das Cover ist sehr gelungen - es passt zu diesem besonderen Roman.
Anfangs habe ich erst etwas gebraucht, um mich einzulesen - in der ersten Hälfte zieht sich die Geschichte an manchen Stellen etwas. Doch dafür hat mir die zweite Hälfte umso besser gefallen, denn da kommt es schließlich zu interessanten Entwicklungen, mit denen niemand gerechnet hat.


"Ich drehte mich im Kreis. Keine der Möglichkeiten ergab viel Sinn. Mein erster Fall in Kalkutta nahm jedenfalls keinen besonders vielversprechenden Anfang. Im gegenteil, er schien zu den Sonderbarsten zu gehören, mit denen ich es je zu tun hatte." - Seite 54


Mein Fazit: Ein außergewöhnlicher und sehr guter Kriminalroman! Atmosphärisch dicht und mit besonderen Schauplätzen überrascht das Buch - es gibt interessante und unvorhersehbare Wendungen, besonders zum Ende hin. Ein Buch, das man in Ruhe lesen sollte, da es viele Details enthält und man einiges über die historischen Hintergründe erfährt. Doch es lohnt sich! Einen halben Stern ziehe ich ab, da es anfangs ein paar Längen gibt, doch insgesamt  ist es ein sehr gelungener historischer Krimi! 

Meine Bewertung: 





Titel: Ein angesehener Mann - Sam Wyndham 1
Autor: Abir Mukherjee
Genre: Historischer Krimi
Seitenanzahl: 512
Verlag: Heyne

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