Mittwoch, 27. September 2017

Rezension zu "ES" von Stephen King

Zum Buch


Das Böse ist wieder erwacht...

Ungefähr alle 28 Jahre sucht das Grauen die Kleinstadt Derry heim: Das erste Opfer im Jahr 1957 wird der kleine Georgie, der dem zuerst freundlich aussehendem Clown namens Pennywise  an der Öffnung eines Gullys begegnet. Bis zum Sommer 1958 gibt es weitere Opfer, unheimliche Geschehnisse häufen sich in der Kleinstadt. In diesem Sommer werden aber auch Freundschaften geschlossen: Sieben Kinder, die alle aus verschiedenen Gründen in der Schule gemobbt werden, finden zusammen und gründen den "Klub der Verlierer". Doch zwischen den unbeschwerten Momenten schwebt das Grauen auch über ihnen - jeder hat etwas zu berichten. Die Sieben, unter ihnen auch William "Bill" Denbrough, der Bruder des kleinen Georgie, beschließen, das Böse zu besiegen. Ihr gefährlicher Weg führt sie schließlich das weitverzweigte Labyrinth der Kanalisation von Derry, wo ES lebt...
Knapp 27 Jahre später geht das Grauen erneut um, rätselhafte Todesfälle häufen sich. Mike Hanlon, einer der damaligen Kinder, erinnert sich an der Schwur, den sie damals geschlossen haben - und trommelt seine einstigen Freunde zusammen.  Denn ES wurde damals nur verletzt...


"Ein leises Platschen, kreisförmige Wellen ... und dann nichts mehr.

Nichts außer der Angst, die ihn mit überwältigender Heftigkeit überfiel. Er wusste mit einem Mal mit absoluter Sicherheit, dass etwas in der Nähe war, ihn beobachtete, seine Chancen abwägte und nur auf den richtigen Zeitpunkt wartete." - Seite 385


Es ist schon einige Jahre her, als ich ES zum ersten Mal gelesen habe. Passend zum Start der  Neuverfilmung des Romans habe ich mich nun für einen re-read entschieden - und bin wieder aufs Neue überrascht, wie brillant Stephen King die Charaktere hier ausgearbeitet hat. Alles beginnt mit dem kleinen Georgie, der dem unheimlichen Clown namens Pennywise zuerst begegnet. Schon  dieser Anfang ist sehr unheimlich und perfekt geschrieben. Man lernt auf diesen 1.536 Seiten die Kinder, die zugleich Hauptfiguren und Helden sind, sehr gut kennen. Ihr Handeln, ihre Ängste, die Träume und unheimlichen Begegnungen aus dem denkwürdigen Sommer 1958 werden hier bis ins kleinste Detail beschrieben. Es entwickelt sich eine unerschütterliche Freundschaft, über der allerdings das Grauen schwebt: Pennywise, der meist in Gestalt eines Clowns mit Luftballons auftritt, spiegelt die Ängste jedes Einzelnen wieder und versetzt damit Derry in Angst und Schrecken.


"Wenn du Hilfe brauchst, Don", sagte der Clown, "dann bedien dich mit einem Luftballon".

Und er bot ihm die Traube von Ballons an, die er in einer Hand hielt.

"Sie fliegen", sagte der Clown. "Hier unten fliegen wir alle; sehr bald wird auch dein Freund fliegen." - Seite 51


Der Roman ist sehr interessant geschrieben. Denn neben den Abschnitten aus dem Jahr 1958 werden auch die aktuellen Geschehnisse wieder gegeben, die im Jahr 1985 spielen. Die Freunde, inzwischen erwachsen, kehren schließlich nach Derry zurück und nicht alle sind noch am Leben...
Zwischen diesen Abschnitten gibt es immer wieder "Zwischenspiele", in dem Mike Hanlon den merkwürdigen Ereignissen von Derry auf den Grund geht. Dabei fördert er erschreckende Details zutage. Dieser ständige Wechsel zwischen den Zeiten ist aber keinesfalls verwirrend, sondern sehr clever angelegt und gut verständlich. Nach und nach erfährt der Leser schließlich, was sowohl damals (1958), als auch aktuell (1985) passiert.

Auf den insgesamt 1.536 Seiten wird es so gut wie nie langatmig. Die Atmosphäre ist sehr dicht und bringt das Unheimliche, was über dem ganzen Roman schwebt, sehr gut rüber. Ein fesselnder Roman, der außergewöhnlich und auch speziell ist. Der Handlungsverlauf hält neben Freundschaft und einigem Horror auch einige Überraschungen bereit. Eine davon, die in einem Abschnitt ziemlich am Ende passiert, hat mir allerdings so gar nicht gefallen. Dieses war dann tatsächlich "too much". Doch von diesem Abschnitt einmal abgesehen ist es ein großartiger Roman, der einem das Gruseln lehrt.
Von ES, das erstmals im Jahre 1986 erschienen ist, gab es im Laufe der Jahre viele Ausgaben und somit verschiedene Cover. Mir gefällt das Cover der Ausgabe aus dem Jahr 2011 (das ich auch selbst im Regal habe) am besten: Grau und schlicht, mit einem abgebildeten Gully und tollem markanten Schriftzug. Perfekt gestaltet. Doch auch die aktuelle Filmausgabe mit dem Kind im gelben Regenmantel, das einen roten Ballon in der Hand hält, ist sehr gut gelungen.


"Schau", flüsterte Richie und deutete auf eine Stelle des Bildes, wobei er sorgfältig darauf achtete, der Oberfläche nicht zu nahe zu kommen. Direkt über der niedrigen Betonmauer am Kanalrand war ein Bogen zu sehen - der obere Teil von etwas Rundem. Etwas wie einem Luftballon." - Seite 456


Mein Fazit: Ein wirkliches Meisterwerk. Dieses umfangreiche Buch fesselt den Leser von der ersten Seite an. Es wird unheimlich, sehr  gruselig, spannend und schockierend. In Kombination mit den starken Charakteren, die zu Helden werden und einem Clown, wie er gruseliger nicht sein kann, ein sehr gelungener Horror-Roman. Atmosphärisch sehr dicht schildert King die Geschichte, die bis ins kleinste Detail ausgearbeitet ist. Bis auf einen kleinen Abschnitt am Ende hat mir das Buch unheimlich gut gefallen und gehört meiner Meinung nach mit zu den besten Romanen vom Meister des Grauens. Für Horror- und King-Fans eine große Leseempfehlung!

Meine Bewertung: 




Titel: ES
Zur Filmausgabe
Autor: Stephen King
Genre: Horror
Seitenanzahl: 1.536 Seiten
Verlag: Heyne

 














Update am 28.09.2017:
Hier noch ein kleines Fazit zur Neuverfilmung von ES, die seit heute in den deutschen Kinos läuft:
Ich habe mir den Film heute Nachmittag angeschaut (als Buchliebhaberin muss ich natürlich vergleichen, ob der Film genauso gut ist wie das Buch). Und er ist wirklich sehr gelungen - mit einem wirklich gruseligen Clown, der von Schaupieler Bill Skarsgard großartig gespielt wird. Auch die Kinder vom "Losers-Club" sind klasse. Natürlich gibt es im Film einige Abweichungen zum Buch, doch diese sind gut eingebaut und insgesamt stimmig.
Das Buch wird gedoch geteilt - hier wird "nur" die Geschichte der Kinder erzählt. Wie ja inzwischen bekannt gegeben wurde, soll es im Jahr 2019 noch einen zweiten Teil geben, der dann die Geschichte der inzwischen Erwachsenen erzählt. Das finde ich sehr gut, denn in den 135 Minuten hätte man niemals die 1.536 Seiten unterbringen können.
Kurz gesagt: Der Film ist schön gruselig und sehr gelungen.

Kommentare:

  1. Hallo Nicole!

    Eine tolle Rezension! Ich hab mich mit dem Buch sehr wohl gefühlt und mich auch an keiner Stelle gelangweilt! Komischerweise hab ich mich gar nicht gegruselt, ich bin gespannt, wie es bei dem Film wird *lach*

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    1. Hallo Aleshanee,

      Dankeschön! :)
      Den Film habe ich am Donnerstag direkt geschaut und fand ihn sehr gut. Habe unter meiner Rezension noch ein kleines Filmfazit verfasst.
      Ich bin gespannt, wie er dir gefallen wird. Viel Spaß beim Schauen!

      Liebe Grüße
      Nicole

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