Dienstag, 27. März 2018

Rezension zu "Der nächstferne Ort" von Hayley Long

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Die Flucht zum nächstfernen Ort

Von einem auf den anderen Moment wird das Leben der beiden Brüder Griff und Dylan aus den Fugen gerissen. Bei einem schrecklichen Autounfall kommen ihre geliebten Eltern ums Leben. Während dem 13-jährigen Griff die Trauer fast zu überwältigen droht, versucht Dylan mit aller Kraft, für seinen jüngeren Bruder da zu sein und ihn zu schützen. Doch wie geht man mit dieser unendlichen Trauer um? Langsam gelingt es den beiden allmählich, ins Leben zurück zu finden – jeder auf seine eigene Weise, aber trotzdem gemeinsam…




Griff sank zurück in sein Bett. In Zeitlupe ließ er den Kopf in die Hände und die Ellbogen auf die Knie sinken und flüsterte: „Ich will meine Familie zurück.“
Und obwohl ich mir ziemlich sicher bin, dass das medizinisch unmöglich ist, glaubte ich zu spüren, wie mir genau in diesem Augenblick das Herz brach. – Seite 77/78


Der nächstferne Ort ist am 21. März 2018 im aktuellen und zugleich leider letzten Programm des Königskinder-Verlags erschienen. Es ist ein sehr berührendes Buch, das von zwei Brüden erzählt, die ihre Eltern verloren haben. Schon am Anfang besticht das Buch mit seiner unheimlich guten und sensiblen Schreibweise. In der Ich-Perspektive aus der Sicht des 15-jährigen Dylan geschrieben, erfährt man von dem schrecklichen Moment und der Zeit danach. Die Traurig- und die Hilflosigkeit wird sofort spürbar, besonders einzelne Momente und Wahrnehmungen werden hier hervorgehoben. Sehr gut gefallen haben mir die Rückblicke von Dylan, die ihn oft an einen „nächstfernen Ort“ geführt haben – Erinnerungen an bestimmte Momente aus seinem Leben, oft mit seinen Eltern – so lernen wir diese besonderen Menschen auch sehr gut kennen.
Auch wenn es eine eher ruhige Geschichte ist – sie ist sehr aussagekräftig und hält später noch eine Überraschung bereit, mit dem man so nie gerechnet hätte…
Die Gestaltung des Buches ist sehr gelungen. Schlicht, schön und still – es passt perfekt zur Story. Im Buch gibt es noch eine Besonderheit: Je nachdem ob geflüstert (klein) und laut geredet (groß) wird – passend dazu verändert sich die Schriftgröße.


„Wow.“ Ich streckte die Hand aus, um vorsichtig die Buchseite zu berühren. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass die Worte unter meinen Fingerspitzen zerrieselten. So traurig und schön waren sie. – Seite 132


Mein Fazit: Ein berührendes Buch, das die traurige Geschichte zweier Brüder erzählt. Die Handlung ist eher still, aber von unheimlich intensiver Erzählkraft. Oft sehr traurig, doch auch gespickt von schönen, vergangenen Erinnerungen und von aktuellen Ereignissen, die den ein oder anderen Lichtblick erkennen lassen. Ein besonderes Buch, das den Leser überraschen wird.  Sehr lesenswert!


Meine Bewertung: 





Titel: Der nächstferne Ort
Autorin: Hayley Long
Genre: Jugendbuch / Drama
Seitenanzahl: 336
Verlag: Carlsen / Königskinder




Vielen Dank an Carlsen und den Königskinder-Verlag für das Rezensionsexemplar! :)

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